Ertüchtigung der Kläranlage

Nach der 3. Ausbaustufe folgten Schritt für Schritt Maßnahmen zur Ertüchtigung und Weiterentwicklung der Kläranlage. 

Durch ein Prozessleitsystem wird die gesamte Anlage verfahrenstechnisch überwacht. Die gespeicherten Daten können zu Regel- und Steuerzwecken sowie zur Protokollierung des Betriebes verwendet werden. Das hier eingesetzte System bietet ein Höchstmaß an Transparenz für alle betrieblichen Vorgänge. 

Der Abwasserverband betreibt die Übergabestationen der Verbandsmitglieder im Abwassernetz. Durch deren Anbindung an das Prozessleitsystem werden die Daten aus diesen Stationen mittels Fernwirkanlagen zur Kläranlage übertragen. Neben den Datenübertragungen ist das Betriebspersonal auch mobil erreichbar, um aufgetretene Störungen selektiv und zeitnah übermittelt zu bekommen. 

Die Faulturmanlage wurde saniert, die im Mai 1998 begonnene Baumaßnahme Umbau der Schlammstapelbehälter wurde im Jahr  2000 beendet und zeigte bald deutlich positive Auswirkungen auf den Trübwasseranfall und das Eindickverhalten des Schlammes.

2000 wurde durch Messergebnisse festgestellt, dass im Abwasser der Kläranlage sogenannte Siloxane enthalten sind. Diese Siloxane gelangen bei der Faulung in das Faulgas. Bei der Verbrennung des Faulgases entstehen in den Blockheizkraftwerken Siliziumverbindungen die schon nach kurzen Betriebszeiten die Kolben zerstören. 2001 wurde daher eine Siloxanwäsche  in Betrieb genommen. Die Erfahrungen mit dieser Anlage sind überaus positiv. So konnten die Wartungsintervalle der Blockheizkraftwerke auf das 5-fache verlängert werden. Auch der Verbrauch der Verschleißteile sank um 2/3.

Nachdem die Verbandsversammlung am 30.05.2001 beschlossen hatte, sich an dem Sonderprogramm für die Abwasserhygienisierung “Badegewässerqualität Obere Isar” des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen zu beteiligen, erfolgte am 09.08.2002, mittlerweile unter dem neuen Verbandsvorsitzenden Dr. Manfred Fleischer, der Spatenstich. Ausgangspunkt war eine Studie über die Verbesserung der Gewässergüte bayerischer Fließ-gewässer die im Jahr 1995 vom damaligen Landesamt für Wasserwirtschaft im Hinblick auf Badegewässerqualität erstellt wurde. Schwerpunkte waren die Gewässerstrecken Obere Isar (Sylvensteinspeicher bis Stadtgebiet München), Mittlere Isar (Stadtgebiet München bis Moosburg), Loisach (Kochelsee bis Isarmündung), Würm (Starnberger See bis Stadtrand München) und die Amper.

Das Bauvorhaben war kombiniert mit der Installation eines Sandfilters. Die feierliche Einweihung im Beisein von Umweltminister Dr. Werner Schnappauf fand am 23.06.2003 statt. Die Flüsse in der Millionenmetropole München Isar und Würm weisen zwischenzeitlich im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten eine einzigartige Wasserqualität auf.

Der Abwasserverband musste sich der Problematik von Geruchsemissionen aus der Kläranlage stellen. Seit dem Frühjahr 2000 wurden von Anwohnern immer wieder Geruchsbelästigungen gemeldet. Bei Recherchen des Landratsamtes stellte sich ein Zusammenhang zwischen dem Betrieb der Klärschlammtrocknungsanlage und den Geruchswahrnehmungen heraus. Aus diesem Grunde wurde eine Abluftreinigungsanlage für den Bereich der Schlammhochtrocknung installiert und in Betrieb genommen.

Die für die Abluftreinigung des Rechengebäudes vorhandene Biofilteranlage wurde, ähnlich wie bei der Klärschlammhochtrocknung durch eine oxidative Behandlungsanlage (Neutralox) ersetzt. 

Mit diesem Projekt einher erfolgte der Austausch der Rechen- und Sandwaschanlage aus dem Jahre 1993. Die Abnahme der Luftbehandlungsanlage und der Rechen- und Sandwaschanlage fand am 05.07.2006 statt.

Die neue Werkstatt, deren Umbau 2002 beendet wurde, ist in das Betriebsgebäude 1 integriert. Sie wurde in den Räumlichkeiten der aufgelassenen Schlammentwässerung und Fällung untergebracht und ist somit in unmittelbarer Nähe der Elektrowerkstatt, des Labors und des Büros des Abwassermeisters. Daher sind kurze Wege gewährleistet. 

Am 23.08.2005 stieg der Pegel der Isar innerhalb kürzester Zeit so stark an, dass der Großteil der Kläranlage überflutet wurde. Die Folge war ein eingeschränkter Betrieb bis zum 05.09.2005.

   

 

 Aber es gab nicht nur Probleme an der Anlage,
 sondern auch an den Außenstationen.

 

 

In 2006 wurde begonnen, beschlossene Maßnahmen für den Hochwasserschutz umzusetzen. So wurden Halterungen für die mobile Installation von Dammbalken montiert bzw. die Licht- und Abwasser-schächte auf Hochwasserniveau erhöht.

 

Eine weitere wichtige Maßnahme war das Versetzten der Niederspannungshauptverteilung (Einspeisung des Stromes in die Kläranlage) in den Bereich der früheren Hauptschaltwarte.

2005/2006 wurde ein Gesamtkonzept für die künftige Klärschlammbehandlung erstellt und beschlossen. Die Realisierung der Maßnahme wurde in 5 Schritte unterteilt:

Phase 1   Vorbereitende Maßnahmen
Phase 2   Anbau Schlammentgasung, Umrüstung Behälter II, I und V
Phase 3   Aus- bzw. Umrüstung der Schlammentgasung (E-Technik)
Phase 4   Rohrverlegung Trübwasser
Phase 5   Umbau des bestehenden Pumpenschachts und des Schieberschachts

Neben der Erneuerung der Hardware wurde auch die Software mit folgenden Schwerpunkten erneuert:

  • Einführung eines DMS-Systems (Document Management System)
  • Einführung einer Werknorm
  • Beobachten und Bedienen mit Hilfe neuester Technologie
  • Lagerhaltung mittels DMS
  • Betriebsmittelerfassung  über DMS
  • Wartungsprotokolle und automatische Arbeitsvorbereitung
  • Dokumentation der Anlagenteile über DMS

Der auf der Kläranlage anfallende Klärschlamm wurde bis Herbst 2007 mit einer erdgasbetriebenen Trocknungsanlage thermisch getrocknet und landbaulich verwertet. Aufgrund der im Sommer 2007 aufgetretenen PFT-Problematik (Perfluorierte organische Tenside) und der mit hohen Kosten verbundenen Forderung auf Nachrüstung entsprechend Immissionsschutzrichtlinien, wurden die Ingenieure mit der Planung einer  maschinellen Entwässerung beauftragt. Die Maßnahmen umfasste dabei die Installation von zwei Hochleistungszentrifugen, den Rückbau der Thermischen Trocknungsanlage und ein Nutzungskonzept der durch den Rückbau freigewordenen Räumlichkeiten. Diese Anlagenteile wurden im Januar 2011 in Betrieb genommen.